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Bernadette_SoubirousBernadette Soubirous
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Bernadette Soubirous

Bernadette Soubirous, Taufname Marie Bernarde Soubirous[1]oder okzitanisch Maria Bernada Sobeirons, in der Literatur zuweilen auch Maria Bernadette Soubirous, (* 7. Januar 1844 in Lourdes; † 16. April 1879 in Nevers an der Loire) war eine französische Ordensschwester, die als 14-jähriges Mädchen im Jahr 1858 angab, mehrere Marienerscheinungen gehabt zu haben. In der römisch-katholischen Kirche wird Bernadette Soubirous als Heilige verehrt. Der Geburtsort Bernadettes wurde zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Europa.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Leben
    • 1.1 Kindheit und Jugend
    • 1.2 Erscheinungen
    • 1.3 Leben nach den Erscheinungen
  • 2 Verehrung
  • 3 Rezeption
  • 4 Literatur
  • 5 Weblinks
  • 6 Einzelnachweise

Leben

Kindheit und Jugend

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Wohnhaus der Familie Soubirous
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Bernadette Soubirous vor der Grotte von Lourdes auf einem Foto aus dem Jahr 1863
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Bernadette Soubirous (1866)
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Sr. Marie Bernarde bei der Aufbahrung

Als älteste Tochter des ärmlich lebenden Müllers François Soubirous (1807–1871) und seiner Frau Louise (geb. Castérot, 1825–1866) wuchs sie in Lourdes (einem kleinen Städtchen am nördlichen Fuße der Pyrenäen) auf. Der Historiker und Theologe Patrick Dondelinger bezeichnet ihre Kindheit als „entwicklungspsychologischen Leidensweg“.[2] Als Soubirous zehn Monate alt war, verbrannte sich ihre Mutter ihre Brüste und konnte ihre noch nicht abgestillte Tochter nicht mehr länger stillen. In der Folge wurde Soubirous zu Marie Lagues nach Bartrès gegeben, deren eigenes Baby verstorben war.[3] Im Alter von 2 Jahren und 3 Monaten kam sie wieder zu ihren Eltern nach Lourdes zurück.[4] Bereits in früher Kindheit zog sich Bernadette Soubirous ein bis zu ihrem Tode anhaltendes Asthma bronchiale zu. Ihr wird auch eine allgemeine Dystrophie zugeschrieben. Mit 14 Jahren sah Bernadette Soubirous viel jünger aus, als ihrem Alter entsprach, und sie war nur 1,40 m groß.[5] Wie bei Kindern in ihren sozialen Verhältnissen verbreitet, beherrschte sie nicht die französische Hochsprache, sondern sprach das lokal übliche Bigourdan der Region Bigorre. Bald schon musste die Familie die Mühle, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, verlassen und in ein leerstehendes Haus umziehen, „Cachot“ (deutsch: „der Kerker“) genannt, das früher als Arrestlokal genutzt worden war. Dieses Haus hatte ihnen der Vetter André Sajous verschafft. 5 der 8 Geschwister Soubirous' starben bereits im Kindesalter.[6] Beide Elternteile litten an Alkoholismus.[7] Aufgrund des sozialen und wirtschaftlichen Abstiegs der Familie musste Soubirous bereits als Kind Hunger leiden.[8] Der Vater wurde wegen der Anschuldigung, einem Bäcker zwei Sack Mehl gestohlen zu haben, für eine Woche in Untersuchungshaft genommen, dann aber freigelassen, weil man ihm den Diebstahl nicht nachweisen konnte.[9]

Im Winter 1856 kam Soubirous zu ihrer Patentante Bernarde, einer Schwester der Mutter, für die sie in deren Schankwirtschaft arbeiten musste. Dort wurde sie ausgebeutet und mit Schlägen traktiert. Im September 1857 lebte Soubirous wieder bei ihrer Amme Marie Lagues, wo sie ebenfalls streng behandelt wurde.

Erscheinungen

Am 11. Februar 1858 gegen 11 Uhr gingen Bernadette, ihre Schwester Antoinette und ihre Freundin Jeanne Abadie zur nahen Grotte Massabielle (Occitan massa vièlha ‚alter Fels‘), um jenseits des Flusses Gave de Pau Holz zu sammeln. Dort soll Bernadette oberhalb der Grotte in einer kleinen Nische das erste Mal eine weißgekleidete Frau erschienen sein:

„Eines Tages ging ich mit zwei Mädchen an den Gave-Fluß zum Holzsammeln. Da hörte ich ein Geräusch und schaute um nach der Wiese. Aber die Bäume bewegten sich nicht. Da schaute ich zu der Höhle hin. Dort sah ich eine Dame in weißen Gewändern. Sie trug ein weißes Kleid, das mit einer blauen Schärpe gegürtet war. Auf jedem Fuß hatte sie eine gelbe Rose von der gleichen Farbe wie ihr Rosenkranz. Zugleich begann ich den Rosenkranz zu beten, indessen auch die Dame die Perlen gleiten ließ, aber ohne die Lippen zu bewegen. Als ich mit dem Rosenkranz fertig war, verschwand die Erscheinung sofort.[10]

Bernadettes Aussage zufolge bat die Dame sie bei der dritten Erscheinung darum, vierzehn Tage nacheinander zur Grotte zu kommen, zu den Priestern zu gehen, damit man dort eine Kapelle errichte, und forderte Bernadette auf, aus einer Quelle zu trinken, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar war, später jedoch zutage trat:

„Vierzehn Tage ging ich hin, und jeden Tag erschien die Dame, außer an einem Montag und Freitag. Jedesmal trug sie mir auf, die Priester an den Bau der Kapelle zu mahnen. Jedesmal forderte sie mich auf, mich in der Quelle zu waschen.[11]

Bernadette berichtete dem Pfarrer von Saint Pierre in Lourdes, Peyramale, von „Aqueró“ („jener dort“); dieser war entschiedener Skeptiker und hielt Bernadette für verrückt. Er beauftragte sie, die Dame nach ihrem Namen zu fragen. Bei der Erscheinung am 25. März 1858, dem Fest der Verkündigung des Herrn, schließlich soll sie auf die Frage, wer sie sei, mit den Worten „Que soy era Immaculada Councepciou“ („Ich bin die unbefleckte Empfängnis“) geantwortet haben. Als Bernadette dem Pfarrer berichtete, was die Frau gesagt habe, war Peyramale verblüfft. Papst Pius IX. hatte vier Jahre zuvor das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Dass Bernadette mit ihrer mangelnden Bildung und obwohl sie noch nicht den Kommunionsunterricht besucht hatte, von diesem theologischen Begriff gehört haben konnte, erschien dem Pfarrer wenig wahrscheinlich. Das erhöhte in seinen Augen die Glaubwürdigkeit von Bernadettes Visionsbericht, so dass er seine anfängliche Skepsis aufgab und die Echtheit der Erscheinungen verteidigte. Die Erscheinungen – elf im Februar, fünf im März, eine im April und eine im Juli – endeten am 16. Juli 1858.

Nach Dondelinger hat Bernadette Soubirous ihre Erscheinung niemals als Gottesmutter bezeichnet. Soubirous selbst sagte, befragt durch den Jesuiten de Langlade, zu diesem Aspekt selbst: „Ich sage nicht, ich hätte die Heilige Jungfrau gesehen, ich sah die Erscheinung.“[12] Bei der Einordnung und Interpretation des Geschehens rund um die Erscheinungen der damals 14-jährigen Bernadette Soubirous gelangt er zu der Auffassung, dass die Erscheinung als alter ego der Protagonistin zu verstehen ist: „Bernadette pflegte zu keinem Zeitpunkt ihre Vision als Muttergottes zu beschreiben, sondern immer nur als einsames Fräulein, das nur durch interpretatorische Induktionen zur Muttergottes werden kann.“ [13] Soubirous selbst habe die Erscheinung mit dem Aussehen eines 10-jährigen Mädchens namens Pailhasson verglichen. Sie war sich der genauen Gestalt und Größe dieser Erscheinung nicht sicher, wie Dondelinger beschreibt: „Mal gibt die Seherin an, ihre Erscheinung sei kleiner gewesen als sie selbst, dann wiederum, sie sei etwas größer gewesen, dann wiederum, sie sei nicht größer als sie selbst.“[14] Soubirous war während ihrer Visionen in der Grotte nie alleine. Bei der ersten Vision wurde sie von ihrer Schwester und einer Freundin begleitet. Bei der zweiten Vision vom 14. Februar 1858 waren mehrere Mädchen dabei, bei der dritten zwei Frauen aus Lourdes. Danach die Mutter, die Tante und weitere „schaulustige Frauen“. Danach folgen mehrere Dutzend Menschen, dann einige hundert. Bei der 15. Vision am 4. März 1856 waren 7000-8000 Menschen an der Grotte, flankiert von einem, starken Aufgebot an Ordnungskräften. [15] Nach der letzten Vision vom 16. Juli 1858 ging Soubirous noch mehrmals zur Grotte, hatte aber keine weiteren Erscheinungen mehr. [16]

Dondelinger arbeitet heraus, wie die Visionen einerseits der psychologisch nachvollziehbaren Konfliktbewältigung dienten, andererseits auch eine gruppendymnamische Funktion erfüllten: „So sind denn Bernadettes Halluzinationen in ihrer ganzen gruppendynamischen Ritualisierung viel weniger Symptom denn Therapie, in der das Mädchen nicht nur für sich selbst Heilung im Sinn einer besseren, lebensfähigeren und anhaltenden Anpassung an die Wirklichkeit erleben kann – sondern auch Drittpersonen für einen Umwandlungsprozeß motivieren kann, dessen spektakulärste Verkörperung die so genannten Wunderheilungen sind, welche noch während der Erscheinungszeit – jedoch schon losgekoppelt von der Anwesenheit Bernadettes – an der Grotte stattfinden.“ [17]

Eine kirchliche Untersuchungskommission wurde eingesetzt, die die Ereignisse mehrere Jahre lang untersuchte. Am 18. Februar 1862 schrieb der zuständige Ortsbischof von Tarbes, Bertrand-Sévère Mascarou-Laurence, einen Hirtenbrief, der das Ergebnis bekannt gab:

„Wir erklären feierlich, daß die Unbefleckt Empfangene Gottesmutter Maria wirklich Bernadette Soubirous erschienen ist, am 11. Februar 1858 und in den folgenden Tagen, im ganzen achtzehn mal in der Grotte von Massabielle, bei der Stadt Lourdes. Und wir erklären, daß die Erscheinung alle Zeichen der Wahrheit besitzt, und daß die Gläubigen berechtigt sind, fest daran zu glauben.[18]

Leben nach den Erscheinungen

Auf Vermittlung des Bischofs von Tarbes kam Bernadette ab 1860 als Hausgast in dem von den Schwestern von Nevers betriebenen Hospiz in Lourdes unter, wo sie zeitweilig im Haus mithalf und Unterricht erhielt.[19] Dort wurde sie auch mit dem Bischof von Nevers bekannt, Théodore-Augustin Forcade, der sie später für den Eintritt in die Kongregation der Schwestern ausdrücklich empfahl und auch erreichte, dass man dort auf die eigentlich erforderliche Mitgift verzichtete. Bernadette selbst hatte zuvor, vor allem wegen deren verborgenen Lebensweise, den Eintritt bei den Karmelitinnen in Betracht gezogen, ihre schlechte Gesundheit sprach jedoch dagegen, dass sie die Ordensregel der Karmelitinnen längere Zeit hätte einhalten können.[20]

Bernadette trat am 7. Juli 1866 als Postulantin in das Kloster Saint-Gildard der Barmherzigen Schwestern in Nevers ein, einer pflegenden und unterrichtenden Kongregation, wo sie einige Tage später, beim Empfang des Gewandes der Postulantinnen, den Ordensnamen Marie Bernarde erhielt. Bei der Übergabe des Gewandes musste Bernadette auf Verlangen ihrer Oberen dem versammelten Konvent und weiteren Schwestern der Kongregation eine kurze mündliche Zusammenfassung der Ereignisse an der Grotte geben.[21] Bernadette war zuerst auf der Krankenstation des Klosters und in der Betreuung von Kindern tätig.

Bereits im September des Jahres erkrankte sie, was sich so sehr verschlimmerte, dass ihr am 25. Oktober zusammen mit dem Empfang der Sterbesakramente gestattet wurde, die Profess in articulo mortis abzulegen.[22][23] Sie erholte sich jedoch, und nach ihrer Gesundung und der Beendigung des Noviziats legte sie am 30. Oktober 1867 die einfache Profess[24] in der ordentlichen Form ab. Wegen der Art und Weise der allerersten Professablegung in die Hände des Bischofs und der damit verbundenen Insignien des Schleiers und Kruzifixes der Professen bezeichneten einige Mitschwestern Bernadette gern im Scherz als „Diebin“, ihr selbst nahm der Akt jedoch die Furcht, wegen ihrer schwachen Gesundheit aus dem Noviziat entlassen zu werden.[25]

Bei der traditionellen Aussendung nach dem Ablegen der ersten Gelübde, der ebenfalls Bischof Forcade selbst vorstand[26], erhielt Bernadette im Unterschied zu den mehr als vierzig anderen Neuprofessen keine Aussendung, sondern wurde stattdessen im Konvent von Saint-Gildard behalten[27], wo sie zeitweise der Infirmarin half, vor allem aber als Sakristanin und beim Besticken von Paramenten und Altarwäsche tätig war. Am 22. September 1878 legte Sr. Marie Bernarde die ewige Profess ab, nur wenige Monate vor ihrem Tod in Saint-Gildard, wo sie im Alter von 35 Jahren an Knochentuberkulose starb. Bernadette war nach ihrem Eintritt ins Kloster nie mehr zur Grotte von Massabielle zurückgekehrt.

Mutter Marie-Thérèse Vauzou, ihre Novizenmeisterin und spätere langjährige Superiorin – die Bernadette nicht gewogen war − lehnte die Interpretation der Erscheinungen von Soubirous als authentische übernatürliche Erfahrung ab und widersetzte sich einer einsetzenden Verehrung Bernadettes wie auch der Eröffnung eines Kanoninisierungsverfahrens.[28][29][30][31]

Verehrung

Die sterblichen Überreste Bernadettes wurden im Rahmen des Seligsprechungsprozesses auf Veranlassung des jeweiligen Ortbischofs von Nevers mehrfach exhumiert und in Augenschein genommen, zuerst am 22. September 1909 in Gegenwart von Zeugen, darunter Bischof Gauthey selbst mit einem weiteren Kleriker, auf Geheiß des Bischofs auch zwei Ärzte, der Bürgermeister und sein Vertreter, die Superiorin des Klosters, deren Vertreterin und mehrere Handwerker. Zu diesem Zeitpunkt wurden der Leib Sr. Marie Bernardes von den untersuchenden Ärzten Jourdan und David wie folgt beschrieben: „Die Gesichtshaut lag auf den Knochen auf, und der Körper war braunschwarz gefärbt, pergamentartig starr und klang beim Anschlag hohl wie Karton. Auf den Unterarmen konnte man noch das Muster der Adern erkennen. Hände und Füße waren wächsern.“[32]

Der Bündner Rechtsmediziner Walter Marty erklärt die Protokolleinträge wie folgt: „Diese Beschreibung ist geradezu klassisch, vor allem der holzkartonartige Ton. Dass das Muster der Adern noch erkennbar war, erklärt sich dadurch, dass das Unterhautfett verschwunden ist. Fett ist in unseren Zellen flüssig vorhanden und läuft bei Fäulnis aus. Die braunschwarze Verfärbung findet man bei allen sogenannten Faulleichen, sie ist bedingt durch den Abbau des Hämoglobins. Mit Blei ausgekleidete Särge sind bekannt dafür, dass sie die Zersetzungserscheinungen verhindern.“[32]

Die Reliquien der Heiligen wurden noch mehrfach exhumiert und umgebettet, ein Prozess, der von der katholischen Kirche als Erheben der Gebeine bezeichnet wird. Die Ganzkörperreliquie der hl. Bernadette zählt zu den Leibern jener Heiligen, die die orthodoxen Kirchen und die katholische Kirche als „unverweslich“ bezeichnen. Bei der Inaugenscheinnahme der sterblichen Überreste am 3. April 1919, die ebenfalls unter Hinzuziehung von zwei Ärzten und noch mehr Zeugen als beim ersten Mal durchgeführt wurde, brachten die Ärzte ihr Erstaunen über den allgemein noch guten Zustand des Leichnams zum Ausdruck. Bei der dritten Erhebung am 18. April 1925 wurden angesichts der nahenden Seligsprechung einige kleinere Reliquien entnommen, der Leichnam wurde in einen Schrein aus Bronze und Glas gelegt und am 25. August 1925 in die Kapelle des Klosters Saint-Gildard in Nevers (heute Espace Bernadette Soubirous) überführt.[33] Man bedeckte jedoch das Gesicht und die Hände mit Wachsmasken, die nach Abgüssen und photographischen Aufnahmen gefertigt wurden. Der Schrein trägt neben den Initialen ND für Unsere Liebe Frau die Inschrift „Je ne vous promets pas de vous rendre heureuse en ce monde, mais dans l'autre“ („Ich verspreche nicht, Sie in dieser Welt glücklich zu machen, aber in der anderen“).[34]

Im Herbst 2018 kam ein Reliquienschrein der Heiligen aus Lourdes nach Deutschland, wo er am 7. September im Wallfahrtsort Kevelaer eintraf.[35][36]

Papst Pius XI. sprach Bernadette Soubirous am 14. Juni 1925 selig und am 8. Dezember 1933 (dem Hochfest der unbefleckten Empfängnis) heilig. Ihr Gedenktag ist der 16. April. Die hl. Bernadette wird gegen Krankheit und Armut angerufen und gilt als Schutzpatronin der Armen, jener Menschen, die um ihrer Frömmigkeit willen verlacht werden, der Hirten und Schäfer, und der Stadt Lourdes.

Rezeption

Emile Zola vertrat 1894 in seinem Buch Lourdes (einem Teil des Romanzyklus Trois Villes) die These, Bernadette Soubirous seien die Visionen durch Abbé Ader suggeriert worden: „Wo also war die treibende Kraft, die eingelernte Lektion? Es lag nichts anderes vor als die in Bartrès verlebte Kindheit, der erste Unterricht durch den Abbé Ader, vielleicht Gespräche, religiöse Zeremonien zur Ehre des neuen Dogmas oder eine Medaille, wie man sie in Unmengen verbreitet hatte.“[37] Abbé Ader, der Pfarrverweser von Bartrès gewesen war, ging nach Neujahr 1858, dem Jahr der Erscheinungen, zu den Benediktinern von La Pierre-qui-Vire. An den Katechismusstunden in Bartres hatte Bernadette wegen ihrer Pflichten als Hirtin nicht teilnehmen dürfen.[38] Dondelinger geht davon aus, dass der Katechet Ader „einen großen Eindruck auf Bernadette ausgeübt haben muss“. [39] Unter Beachtung der Details der verschiedenen Visionen schließt Dondelinger: „Indem, sie das reflexartig angesetzte Kreuzzeichen zur Verscheuchung ihrer Vision nicht ausführt, sondern das erbauliche Kreuzzeichen der ihr visionär Vorgesetzten nachahmt, zeigt sich Bernadette jedenfalls selbst im veränderten Bewusstseinszustand als eifrige Schülerin des Abbé Ader.“[40]

Kurt Tucholsky widmete in seinem Reisebild Ein Pyrenäenbuch ein Kapitel dem Wallfahrtsort Lourdes, den er 1925 auf seiner Pyrenäenreise besucht hatte, und ging in dem Unterkapitel Siebenundsechzig Jahre auch auf Bernadette Soubirous ein: „Bei alledem hat man sich die kleine Bernadette als ein bescheidenes, artiges, schwächliches Kind zu denken, das kein Wesens aus der Sache machte. Sie hatte einen schweren Stand: der Geistliche wollte nicht heran, die Polizei drohte sie einzusperren, wenn dieser Unfug nicht aufhöre, und das Dorf verlangte seine Wunder.“ Er sah die Erscheinungen und deren Aufnahme in ihrer sozialen Umgebung skeptisch: „ nach jeder Halluzination wurde das Publikum größer, der Glaube stärker, die Legendenbildung wilder.“ [41] Das Argument, Soubirous habe das Dogma der unbefleckten Empfängnis noch nicht kennen können, ließ er nicht gelten: „Man wird nun verstehen, warum die Bernadette-Traktätchen so ängstlich darüber schweigen, dass das Dogma schon drei Jahre, ex cathedra verkündet, vorgelegen hat. Es war also nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich, dass das Kind diesen Ausdruck von den Priestern aufgeschnappt hatte, ohne zu begreifen. Und man weiß, wie Latein auf die wirkt, die es nicht verstehen.“[42]

Franz Werfel schrieb 1941 den Roman Das Lied von Bernadette, der zugleich ein anschauliches Bild der Entwicklung von Lourdes zu einem Wallfahrtsort gibt. Er war aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Lourdes geflüchtet und hatte dort ein Gelübde abgelegt, dass er die Geschichte Bernadettes niederschreiben werde, falls er die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überleben sollte. Im Vorwort schrieb er, er habe es „gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewußteres Gelübde. Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens“.[43]

Der Bayerische Rundfunk produzierte 1959 nach Werfels Romanvorlage Das Lied von Bernadette als Hörspiel. Zwei weitere Funkfassungen wurden 1948 und 1954 jeweils als Zweiteiler produziert.

Das Leben Bernadettes wie auch Werfels Das Lied von Bernadette wurden zudem mehrfach verfilmt. Die gleichnamige Verfilmung von 1943 des Regisseurs Henry King wurde mit mehreren Oscars ausgezeichnet.

Literatur

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Bernadette Soubirous. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 525–526.
  • Patrick Dondelinger: Die Visionen der Bernadette Soubirous und der Beginn der Wunderheilungen in Lourdes. Pustet, Regensburg 2003. ISBN 3-791-71852-5
  • Jean B. Estrade: Bernadette, die Begnadete von Lourdes. Johannes, Leutesdorf am Rhein, 2000. 14. Auflage. ISBN 3-7794-1191-1 (In älterer Auflage: Bernadette, die Begnadete von Lourdes, wie ich sie erlebt habe). Französisches Original: J.-B. Estrade: Les apparitions de Lourdes. Souvenirs intimes d’un témoin (deutsch etwa: Die Erscheinungen von Lourdes: Intime Erinnerungen eines Zeugen). A. Mame et fils, Tours 1899. Online auf Gallica
  • Irmgard Jehle: Bernadette und das Wunder von Lourdes. Herder, Freiburg 2007, ISBN 978-3-451-29820-2 (125 S.)
  • Peter Panter (d. i. Kurt Tucholsky): Ein Pyrenäenbuch. Die Schmiede, Berlin 1927. Darin das Kapitel Lourdes und insbesondere das Unterkapitel III. Siebenundsechzig Jahre. https://www.textlog.de/tucholsky-lourdes-jahre.htmly/
  • Andre Ravier, Helmuth Nils Loose: Bernadette Soubirous. Eine Heilige Frankreichs, Europas und der Welt. Herder, Freiburg 1979. ISBN 3-451-18309-9
  • Franz Werfel: Das Lied von Bernadette. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt 1994, ISBN 3-596-29462-2.
  • Émile Zola: Lourdes, Edition Holzinger. Berliner Ausgabe, 2017, CreateSpace Independent Publishing Platform.ISBN 978-1545357972

Weblinks

Bild anzeigen Commons: Bernadette Soubirous – Sammlung von Bildern
  • Literatur von und über Bernadette Soubirous im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Bernadette Soubirous im ökumenischen Heiligenlexikon
  • Ausführliche Biografie von Bernadette auf lourdes-france.org
  • Reliquienschrein in der Klosterkirche St. Gildard, Nevers

Einzelnachweise

  1. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 23.
  2. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 24 f.
  3. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 24.
  4. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 26.
  5. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer. S. 28.
  6. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 24 f.
  7. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 25.
  8. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 26.
  9. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 25f.
  10. Aus einem Brief an P. Gondrand, in: Lektionar zum Stundenbuch, erste Jahresreihe I/2 Fastenzeit, Herder Verlag, 2005, S. 206f., Gedenktag unserer Lieben Frau in Lourdes, nach: Epistula ad P. Gondrand (1861): A. Ravier, Les écrits de sainte Bernadette (Paris 1961), 55ff. in: Liturgia horarum Bd. III, Editio typica (Rom 1977) 1129f.
  11. Aus einem Brief an P. Gondrand, in: Lektionar zum Stundenbuch, erste Jahresreihe I/2 Fastenzeit, Herder Verlag, 2005, S. 206f., Gedenktag unserer Lieben Frau in Lourdes, nach: Epistula ad P. Gondrand (1861): A. Ravier, Les écrits de sainte Bernadette (Paris 1961), 55ff. in: Liturgia horarum Bd. III, Editio typica (Rom 1977) 1129f.
  12. René Laurentin, Bernard Billet (Hrsg.), Lourdes. Documents authentiques. Paris. P. Lethielleux, 1957-1966, Bd. 7, S. 274; zit. nach Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 87 f.
  13. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 88. Zum Topos der Erscheinung als „alter ego“ vgl. S. 89.
  14. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 91
  15. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 29-54.
  16. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 54.
  17. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 154.
  18. Der französische Text findet sich im Journal des débats politiques et littéraires vom 19. Februar 1862, S. 1–2, online.
  19. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 115
  20. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 134ff.
  21. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 152.
  22. Patricia A. McEachern, A Holy Life: The Writings of St. Bernadette, Ignatius Press, 2010
  23. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 156ff.
  24. René Laurentin, Bernadette of Lourdes: a life based on authenticated documents, Barton, Longman and Todd, 1998, S. 159
  25. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 159f.
  26. René Laurentin, Bernadette of Lourdes: a life based on authenticated documents, Darton, Longman and Todd, 1998, S. 159
  27. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 173
  28. François Trochu, St. Bernadette Soubirous: 1844-1879, TAN Books, 1957, S. 258ff., S. 400
  29. Hugh Ross Williamson, The challenge of Bernadette, Gracewing Publishing, 2006, S. 78ff.
  30. Henri Petitot OP, The true story of Bernadette, Newman Press, 1950
  31. François Trochu, St. Bernadette Soubirous: 1844-1879, TAN Books, 1957, S. 258ff.
  32. a b www.profil.at
  33. Patricia A. McEachern, A Holy Life: The Writings of St. Bernadette, Ignatius Press, 2010
  34. .Patricia A. McEachern, A Holy Life: The Writings of St. Bernadette, Ignatius Press, 2010
  35. https://www.erzbistum-koeln.de/news/Reliquien-der-heiligen-Bernadette-aus-Lourdes-kommen-nach-Koeln/
  36. http://www.kreisdekanat-kleve.de/kreisdekanate/kreisdekanat-kleve/aktuelles/meldungen/meldungen-2018/reliquien-der-heiligen-bernadette-aus-lourdes-kommen-nach-kevelaer/
  37. Emile Zola. Lourdes. Hofenberg 2017. (Neudruck der Ausgabe von 1894), S. 60. https://books.google.de/books?id=iXHADgAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=zola+lourdes&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiG0rXD197eAhXBalAKHSyRAHMQ6AEIKDAA#v=onepage&q=abbe%20ader&f=false. Vgl. auch Lourdes: Wunder des Dr. Dozous, in: Der Spiegel Nr. 18, 1956, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43062116.html
  38. René Laurentin, Das Leben der Bernadette – Die Heilige von Lourdes, Patmos-Verlag, 2. Aufl. 1980, S. 33
  39. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 101.
  40. Patrick Dondelinger (2007). Bernadette Soubirous: Visionen und Wunder. Topos: Kevelaer, S. 101 f.
  41. Peter Panter (d. i. Kurt Tucholsky): Ein Pyrenäenbuch. Die Schmiede, Berlin 1927. Darin im Kapitel Lourdes das Unterkapitel III. Siebenundsechzig Jahre. https://www.textlog.de/tucholsky-lourdes-jahre.html
  42. Peter Panter (d. i. Kurt Tucholsky): Ein Pyrenäenbuch. Die Schmiede, Berlin 1927. Darin im Kapitel Lourdes das Unterkapitel III. Siebenundsechzig Jahre. https://www.textlog.de/tucholsky-lourdes-jahre.html
  43. ebd., Los Angeles 1941, in: G. B. Fischer & Co., 1953, Frankfurt am Main, S. 8; vgl. die Online-Version auf Projekt Gutenberg.

 


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